Kultur

STARTREK – PICARD 1. Staffel - Rezension

Auf dem Heimatplaneten der Menschheit kehrt Captain Jean-Luc Picard (Sir Patrick Stewart) nach 17 Jahren Unterbrechung in der ersten Staffel der 10+1 teiligen Fernsehserie „Star Trek: Picard“ wieder auf. Doch auf der Erde existieren Zuversicht und Frieden nur noch als Nostalgie.

Unsere Erde. „Das Wertvollste, was der Mensch besitzt, ist das Leben. Es wird ihm nur ein einziges Mal gegeben, und nutzen soll man es so, daß einen die Schande einer niederträchtigen und kleinlichen Vergangenheit nicht brennt, und daß man sterbend sagen kann: Mein ganzes Leben, meine ganze Kraft habe ich dem Herrlichsten in der Welt, dem Kampf um die Befreiung der Menschheit gewidmet.“
Zitat von Nikolai Alexejewitsch Ostrowski aus »Wie der Stahl gehärtet wurde, Pawels Lehrjahre«

Auf dem Heimatplaneten der Menschheit kehrt Captain Jean-Luc Picard (Sir Patrick Stewart) nach 17 Jahren Unterbrechung in der ersten Staffel der 10+1 teiligen Fernsehserie „Star Trek: Picard“ wieder auf. Doch auf der Erde existieren Zuversicht und Frieden nur noch als Nostalgie.
Der Ex-Admiral Picard hat sich nach seiner Demission aus der Sternenflotte auf das Weingut seiner Familie in der Bourgogne zurückgezogen. Schon einmal hatte er hatte dem Weingut einen Besuch abgestattet. Das war damals in der vierten Staffel der Serie Star Trek: The Next Generation. (1987-1994)
Was folgte, das waren vier Kinofilme, in denen Picard eine Hauptrolle spielte. Zum bislang letzten Mal war Picard vor nun auch schon wieder siebzehn Jahren zu sehen. Das war im Film Star Trek: Nemesis , im Jahre 2003.
Seither hat der Sternenflottenkapitän die Zeit im Ruhestand zugebracht. Auf dem Weingut hat er beim Weinanbau angefasst und abends auf der Terrakottaterrasse seines Anwesens gesessen und über sein Leben
nachgedacht. Da war die Schuld, die er auf sich geladen hat; über seine gescheiterten Versuche, Frieden, Gerechtigkeit und Völkerverständigung im Alpha-Quadranten der Galaxie herzustellen. Auch hat er zutiefst betrübt über die gewandelten Zeitläufte nachgedacht, die es einem ehrlichen Raumschiffkapitän immer schwerer machen, noch an die Moral und die Ideale der Menschlichkeit zu glauben.
Es wird viel gegrübelt und mit sich gehadert in dieser neuen, mittlerweile siebten Star-Trek-Serie, ganz besonders in den ersten drei Folgen. Die erste Staffel handelt fast nur von Menschen und anderen Wesen, die sich fremd in der Welt fühlen, in welcher sie leben. Diese Charakteren suchen in dieser Welt ihren Platz und sie suchen nach einer individuellen Identität.
Bereits in den alten Next-Generation befand sich Picard in Phasen endloser Grübeleien über Pflicht und Verantwortung, Freud und Leid seiner persönlichen Führerrolle aber auch mit dem dauerhaft an sich selbst leidenden Androiden Data, der trotz menschenähnlichem Aussehens doch niemals ein echter Mensch werden kann.

Star Trek: Picard schließt nahtlos an die pazifistische Stimmung der Originalserie an. Das ist eine dramaturgisch interessante Bewegung. Auf diese Weise können wir heute nur noch feststellen, wie weit entfernt unsere Gegenwart inzwischen von jener Zeit ist, die in Next Generation einst ein so gutes Spiegelbild fand; von einer Zeit, in der man sich schon einmal am "Ende der Geschichte" angelangt glaubte und in einem Zustand, in dem alle Konflikte durch den Wunsch nach Verständigung beigelegt werden können, durch den zwanglosen Zwang des besseren Arguments und durch größtmögliche Empathie mit dem Fremden und Anderen. 2020 kann davon keine Rede mehr sein. So gilt die Nostalgie, die Star Trek: Picard verströmt, nicht nur einer alten Science-Fiction-Serie und ihren Helden, sondern auch einer vergangenen Ära der Zuversicht und des Friedens.

Inzwischen befinden wir uns im Star-Trek-Universum des Jahres 2399. Picard hat seinen Posten vor dreizehn Jahren niedergelegt, weil die Regierung der Planetenföderation und die Oberen der Sternenflotte ihn nicht unterstützen wollten bei der Rettung des Volks der Romulaner, dessen Planet bei einer Supernova zerstört wurde. Die Romulaner wirken rätselhaft und schwer durchschaubar. Als Gegner der Menschheit wurde ihnen in der Stunde des Leids jegliches Mitgefühl verwehrt. Für den empathischen Picard ist es noch immer unbegreiflich. Darum hat er sich auf das Weingut zurückgezogen. Aber auch dort kommt er nicht zur Ruhe. Schlimme Träume plagen ihn, in denen ihm sein alter Begleiter, der Androide Data (Brent Spiner) begegnet,. Data hatte sich im letzten Next-Generation-Kinofilm Nemesis für die Menschheit geopfert. Picard erkennt in der junge Frau Dahj (Isa Briones) die Tochter von Data und glaubt, das sie das Wesen sei, in dem Datas Neuronales-Netz Informationen – und also: seine Identität – aufgehoben sind. Doch diese
junge Frau wird nur wenig später bei einem Anschlag von romulanischen Agenten ermordet. Picard macht sich daraufhin unverzüglich auf die Suche nach ihrem Zwillingsklon. Er versucht so einerseits den wieder
aufflammenden Konflikt zwischen den Völkern zu befrieden und andererseits nach den in diesem Klon fort existierenden Resten der Identität seines alten Freundes und Wegbegleiters zu suchen.

Patrick Stewart spielt seine Rolle in hervorragender Weise. Er ist alt und innerlich tief verwundet. Er blickt auf eine ihm fremd gewordene Welt. Er wirkt weise und beeindruckend. Seine Anwesenheit ist ein allmählicher Zugewinn an Kraft und Entschlossenheit, der ihn durch die Eskalation der Geschehnisse trägt. Wer ihn zuschaut, dem wird bewusst, das Stewarts Spiel das Anschauen der Serie lohnend werden lässt. Er schafft es, ein Schiff mit einer Besatzung zusammenzustellen, um wieder in die unendlichen Weiten des Alls aufzubrechen.
Die Geschichte kommt anfangs nur mühsam in Gang. Man braucht beim Betrachten etwas Geduld und Gemütlichkeit.

Im Jahre 2020 kann von einer Zeit, in der man sich schon einmal am "Ende der Klassengesellschaften" angelangt glaubte, Rassendiskriminierung und Völkerhass nicht mehr vorkommen und Kriege ein für alle Mal der Vergangenheit angehören, in einem Zustand also, in dem alle Konflikte durch den Wunsch nach Verständigung beigelegt werden können, nicht mehr die Rede sein.

Da fragt man doch: Ist Widerstand wirklich zwecklos? Das ist deprimierend. Es ist einfach so unglaublich deprimierend, das wir uns fragen müssen: Wollen wir das wirklich so stehen lassen???
Ich bin sehr neugierig auf das was da noch kommt!

Andreas Weniger

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