Politik

70 Jahre Nationale Volksarmee

Ein Tag der Rückbesinnung

Der Autor 1982 als Unteroffiziersschüler

Der Autor 1982 als Unteroffiziersschüler

Deutschland. In einer Welt, in der Kriege, Piraterie und Völkerrechtsverletzungen vor allem durch den sogenannten werteorientierten Westen zum Alltag geworden sind, ist es doch sinnvoll auch einmal in die Geschichte, in die deutsche Geschichte zurück zu blicken.

Dort finden wir ein Kapitel, das für viele Menschen mit dem Streben nach Frieden, Stabilität und antifaschistischer Verantwortung verbunden ist: die Gründung der Nationale Volksarmee am 1. März 1956.

Die Nationale Volksarmee entstand in einer Zeit tiefgreifender globaler Spannungen, als Antwort auf die Wiederbewaffnung und Gründung der Bundeswehr in Westdeutschland im Jahre 1955, also knapp ½ Jahr zuvor. Nach den Schrecken des Zweiten Weltkriegs und der Befreiung vom Faschismus stand Deutschland vor der Aufgabe, einen neuen Weg zu finden. In der Deutsche Demokratische Republik verstand man die Schaffung eigener Streitkräfte als Beitrag zur Sicherung des Friedens und zum Schutz der sozialistischen Gesellschaftsordnung. Die NVA definierte sich selbst ausdrücklich als Friedensarmee – eingebettet in das Bündnissystem des Warschauer Vertrages, das nach eigener Darstellung der kollektiven Verteidigung diente.
Viele Soldatinnen und Soldaten der NVA sahen ihren Dienst nicht als Ausdruck von Militarismus, sondern als bewusste Abkehr von der aggressiven deutschen Militärtradition vergangener Zeiten. Der antifaschistische Gründungsanspruch spielte dabei eine zentrale Rolle. Politische Bildung, internationale Solidarität und das Selbstverständnis, niemals wieder einen Angriffskrieg von deutschem Boden ausgehen zu lassen, prägten das offizielle Leitbild.

Zum 70. Jahrestag ihrer Gründung erinnert man sich daher nicht nur an Uniformen, Paraden oder militärische Strukturen, sondern auch an ein Stück Zeitgeschichte. Die NVA war Teil eines Staates, der für Millionen Menschen Heimat, Arbeitsort und Lebensmittelpunkt war. Sie war eingebunden in die gesellschaftlichen Strukturen, in Betriebe, Schulen und Organisationen, und viele Familien waren über Generationen mit ihr verbunden.

Ein Jubiläum wie dieses lädt dazu ein, selbstverständlich auch differenziert zurückzublicken: auf die Hoffnungen, Ideale und Überzeugungen, die mit ihrer Gründung verbunden waren. Unabhängig von späteren politischen Bewertungen bleibt die historische Tatsache bestehen, dass die NVA über Jahrzehnte hinweg das militärische Rückgrat der DDR bildete und von ihren Angehörigen als Dienst am Frieden verstanden wurde.

Der 70. Jahrestag kann somit als Anlass dienen, die damaligen Motive und Selbstbilder neu zu betrachten – im Bewusstsein der komplexen Geschichte Deutschlands im 20. und 21. Jahrhundert und mit dem Wunsch, dass Frieden und gegenseitiger Respekt auch in Zukunft die leitenden Prinzipien internationaler Beziehungen sein mögen.

Holger Hüttel

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