Kultur

Deutscher Fernsehfunk beendet vor 3o Jahren sein Programm

Dem DDR Fernsehen wurde endgültig der Stecker gezogen.

Berlin-Adlershof.
Heute vor genau 3o Jahren, am 31.12.1991 um 24.oo Uhr endete der erste Versuch eines sozialistischen Fernsehfunks auf deutschem Boden nach fast 4o Sendejahren.

Angefangen hatte es am 21. Dezember 1952 mit einer ersten öffentlichen Sendung anlässlich des 74. Geburtstages von Josef Stalin. Mit dem täglich ca. 2-stündigen Programm von 2o:oo bis 22:oo Uhr wurde gestartet. Damals noch unter dem Namen Deutscher Fernsehfunk, kurz DFF. Später umbenannt in DDR Fernsehen 1 und DDR Fernsehen 2 und ab 12.3.199o wieder DFF.

Viele Zuschauerinnen und Zuschauer konnten die ersten Sendungen aus Berlin-Adlershof noch gar nicht sehen, denn anfangs gab es nur ca. 6o Empfangsgeräte auf dem Gebiet der DDR.

Der erst kürzlich am 24. Juli diesen Jahres verstorbene Herbert Köfer war an diesem Abend der erste Sprecher der Aktuellen Kamera.
Jener Nachrichtensendung, welche bis zum 15. Dezember 199o die Bürgerinnen und Bürger der DDR mit dem neuesten aus aller Welt und natürlich auch mit entsprechender staatstreuer Propaganda versorgte.

Damit war die aktuelle Kamera die älteste deutsche Nachrichtensendung, welche über die Bildschirme lief, denn die westdeutsche Tagesschau der ARD begann erst 5 Tage später mit seiner ersten Sendung.

Heute erinnert nur noch der tägliche Sendeplatz der AK um 19:3o Uhr an diese vier Jahrzehnte Nachrichtensendung des Ostens, welcher von den drei ostdeutschen TV-Regionalsendern MDR, RBB und NDR für die Regionalnachrichten genutzt wird.

Aber sicherlich traurig für die meisten ostdeutschen Fernsehzuschauerrinnen und Fernsehzuschauer war nicht der Verlust der Aktuellen Kamera, sondern der vielen, vielen Sendungen des DFF und des Fernsehens der DDR welche mit der Abschaltung des DFF nicht mehr zu sehen waren.

Sei es der "Kessel Buntes", “ Willi Schwabes Rumpelkammer", die sehr guten Weihnachts- und Silvestersendungen oder die vielfältigen Serien aus den DDR Produktionen, oder den Produktionen der anderen sozialistischen Länder, um nur einige zu nennen.

Vor allem auch der Verlust der Kinder und Jugendprogramme, wie die samstägliche Flimmerstunde mit Professor Flimmrich, die gut gemachten weihnachtlichen Sendungen, um den Kindern die Zeit bis zur Bescherung zu verkürzen, Clown Ferdinand oder die täglichen Ferienprogramme während der Schulferien sind trauriges Beispiel.

Aber auch die professionell sehr gut gemachten Sendungen des Schulfernsehens der DDR waren und sind ein großer Verlust, was sich gerade in der aktuellen Pandemielage mehr als zeigt.

Für viele, um nicht zu sagen für die meisten Schauspielerinnen und Schauspieler aus unserem Land war das Ende des DDR Fernsehens ein wegbrechen ihrer bisherigen Tätigkeit. Nur langsam fassten einige wieder Fuß im nun gesamtdeutschen TV.

Zwar muten heute Sendungen wie "Der Leutnant vom Schwanenkiez", „Geschichten übern Gartenzaun", "Zur See“, "Rentner haben niemals Zeit“ oder „Treffpunkt Flughafen“ und und und, wie aus einer anderen längst vergangenen Zeit an. Einer Zeit, in der Menschlichkeit und gegenseitige Achtung, in der Ideale und Ziele, wenn auch vielleicht hier und da oft zu idealistisch dargestellt, vermittelt wurden. Aber sicherlich darf man sich die Frage stellen, ob Serien wie "The Walking Dead" oder "SpongeBob" die neuen Film- und Bildungsleistungen darstellen.

Wer sich heute noch gut gemachte Filme und Reportagen aus dieser Zeit anschauen möchte muss meist lange auf bleiben, denn diese laufen oft jeweils um Mitternacht auf den ostdeutschen ARD-Anstalten.

Ein neuer Sender auf Waipu TV mit dem Namen "DDR Archiv" hat aktuell vor allem Serien, wie „Das unsichtbare Visier", "Blaulicht", “Der Staatsanwalt hat das Wort“ oder Polizeiruf 11o" in seinem Programm.
Aber auch verschiedene Mediatheken und YouTube bieten heute Material an Filmen und Serien aus den knapp 40 Jahren des Fernsehens der DDR und des DFF an.
In gut sortierten Videoabteilungen gibt es ebenfalls seit einigen Jahren Bereiche mit Filmen und Serien aus der DDR sowie der anderen sozialistischen Länder, oft synchronisiert in den DEFA Studios. Die ICESTORM Media GmbH (vormals PROGRESS Filmverleih GmbH) pflegt diese Filmgeschichte.

Holger Hüttel

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