Sangerhausen. Zu einer kurzfristig anberaumten Demonstration gegen die geplante Ansiedlung einer Rüstungsfabrik des israelischen Konzerns Elbit Systems hat die Internationale Jugend Sangerhausen am 24. Mai um 16 Uhr auf den Sangerhäuser Marktplatz aufgerufen. Rund 20 Jugendliche beteiligten sich aktiv an der Kundgebung und machten mit Transparenten und Redebeiträgen auf ihre Kritik an dem Vorhaben aufmerksam.
Da die Veranstaltung im Vorfeld nicht öffentlich angekündigt worden war, fanden sich lediglich einige zufällig vorbeikommende Passantinnen und Passanten auf dem Marktplatz ein. Dennoch werteten die Organisatorinnen und Organisatoren die Kundgebung als deutliches Signal: Der Protest gegen die geplante Ansiedlung einer Waffenfabrik in Sangerhausen reißt nicht ab – im Gegenteil, er gewinnt nach ihrer Einschätzung weiter an Dynamik.
Die Demonstration richtete sich insbesondere gegen die Entscheidung des Stadtrates, der auf Antrag des Oberbürgermeisters die planungsrechtlichen Voraussetzungen für die Ansiedlung schaffen will und zuvor bereits in einer geheimen Sitzung des Stadtrates, sich die Zustimmung geholt hat weiter über die Ansiedelung zu verhandeln und abzuschließen.
Nach Ansicht der Jugendlichen sind es vor allem die jungen Generationen, die die Folgen einer zunehmenden Aufrüstung zu tragen hätten – sei es durch eine mögliche Beteiligung an zukünftigen Kriegen, durch Einberufungen oder durch fehlende Investitionen in Bildung, Soziales und Infrastruktur, weil immer größere Summen in die Rüstung fließen.
Bereits vor einigen Tagen hatte die Mansfeller Zeitung getitelt: „Der Widerstand wächst.“ Nach Ansicht der Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Kundgebung sowie anwesenden Passant:innen lässt sich diese Einschätzung inzwischen weiter zuspitzen: Der Widerstand wächst – weiter und weiter.
Vier Jugendliche hielten auf der Veranstaltung Redebeiträge, in denen sie sich kritisch mit der geplanten Ansiedlung des Rüstungsunternehmens in Sangerhausen, des Rüstungsunternehmens selbst, welches Waffen für Kriegsverbrechen liefert, der Militarisierung der Gesellschaft sowie den aus ihrer Sicht steigenden Rüstungsausgaben auseinandersetzten. Zugleich warben sie für Frieden, internationale Solidarität und gesellschaftliches Engagement gegen Krieg und Aufrüstung. In ihren Reden forderten sie unter anderem: „Keine Waffenfabrik in Sangerhausen“ und riefen dazu auf, sich gemeinsam für Frieden und soziale Perspektiven einzusetzen.
Wer ist die Internationale Jugend?
Die Internationale Jugend (IJ) versteht sich als ein antikapitalistischer, antifaschistischer und internationalistischer Jugendverband. Nach ihrem Selbstverständnis setzt sie sich für Frieden, soziale Gerechtigkeit, gleiche Bildungschancen sowie gegen Militarisierung, Krieg und Diskriminierung ein. In ihren politischen Aktivitäten organisiert sie Demonstrationen, Informationsveranstaltungen und Kampagnen zu gesellschaftlichen und internationalen Themen. Auch die Kundgebung in Sangerhausen stand im Zeichen dieser Grundsätze und richtete sich gegen eine aus Sicht der Jugendlichen zunehmende Aufrüstung und die Ansiedlung eines Rüstungsunternehmens. Die auf der Veranstaltung gehaltenen Reden, betonten insbesondere den Einsatz für Frieden, internationale Solidarität und den Widerstand gegen Militarisierung.
Als Beobachter der Veranstaltung bleibt vor allem der Eindruck, dass die jungen Rednerinnen und Redner ihre Positionen engagiert, sachlich und mit großer Überzeugung vorgetragen haben. Unabhängig davon, wie man die politischen Schlussfolgerungen bewertet, wurde deutlich, dass sich eine junge Generation aktiv in die Debatte um die Zukunft ihrer Heimatstadt einbringen möchte – und damit zeigt, dass die Diskussion um die geplante Rüstungsfabrik längst nicht beendet ist.