Land und Leute

Altem Sangerhäuser Krankenhaus wird neues Leben eingehaucht

75 neue Wohnungen entstehen in der Kernstadt

Sangerhausen.
Ins alte Krankenhaus der Stadt Sangerhausen, unmittelbar angrenzend an den Sängerhäuser Stadtpark, wird bald wieder Leben einziehen.
23 Wohnungseinheiten in einer Größe von 1- bis 4- Raumwohnungen sowie 52 Wohnungseinheiten für betreutes Wohnen sollen in dem alten Lazarettbau entstehen.

Der Bauausschuss des Stadtrates der Stadt Sangerhausen traf sich daher zu einem vor Ort Termin am vergangenen Mittwoch auf der Baustelle mit dem Bauleiter der Firma HG Bau GmbH Halle/Saale, welche das Vorhaben umsetzt.
So erfuhren die Ausschussmitglieder vom Bauleiter Herrn Jörg Niemand, das entsprechend der aktuellen Planungen in ca. einem Jahr mit der Fertigstellung des neuen Baus, bzw. des Umbaus des alten Krankenhauses zu rechnen ist.
Ausführlich und umfassend berichtete Herr Niemand von den bisher getätigten und aktuellen Bauleistungen und natürlich auch von den durch die aktuelle Krise bedingten Problemen bei der Fertigstellung eines solchen Mammut-Projektes.
Allein bezüglich der Entkernung des Hauses wurden bereits ca. 1500 m³ Schutt abtransportiert. Viele weitere Kubikmeter werden folgen, so der Bauleiter in seinen Erläuterungen. Und weiter erklärte er: „Und das, was an Material herausgetragen wird, muss dann auch wieder durch neue Baumaterialien ersetzt werden."
Auf Nachfrage der Ausschussmitglieder zur aktuellen Situation auf dem Baumarkt und der damit verbundenen Schwierigkeiten beim Umbau des alten Krankenhauses musste auch hier festgestellt werden, dass es immer größere Schwierigkeiten bei der Versorgung mit allen Baumaterialien sowie doch teils erhebliche Preissteigerungen gibt. Aber man ist zuversichtlich alle Hürden zu meistern.

Alle Wohnungen, nicht nur jene des betreuten Wohnens, sind durch die Beibehaltung der Fahrstühle (natürlich erneuert) behindertengerecht zu erreichen. Im Kellerbereich soll eine eigene Großküche für das Haus eingerichtet werden. Selbst an ein kleines Café, welches im Obergeschoss für die Bewohnerinnen und Bewohner gebaut werden soll, wurde gedacht.
Auch eine größere Zahl an Parkplätzen im hinteren sowie im vorderen Bereich sind geplant. Ein direkter Zugang vom Haus zum Stadtpark und damit zum Rosarium ist in Planung.
In dieser Zeit nicht überraschend kam natürlich auch die Frage nach der Energieeffizienz des Hauses sowie der geplanten Heizungsanlage.
Auch hier möchte der Investor neue Wege gehen und eigene Energie, welche durch eine große Solaranlage auf dem Dach erwirtschaftet wird, über große Wärmepumpen in die durchweg geplanten Fußbodenheizungen im gesamten Haus effektiv nutzen.
Außerdem erhalten alle 75 Wohnungen einen eigenen Balkon.

Sicherlich, und dies zeigten die große Zahl an Fragen der Ausschussmitglieder, war es nur der erste Besuch auf dem neuen Sangerhäuser Wohn- und Betreuungsstandort, welcher diesen Bereich in der Kernstadt aufwertet und ein schönes und interessantes Ambiente neben den Stadtpark entstehen lässt.



Zur Geschichte:
Vor genau 2oo Jahren, 1822 wurde vor dem Riestedter Tor ein Militär-Lazarett errichtet.

Im Laufe der zwei Jahrhunderte wurde das Haus mehrfach um- und ausgebaut. So wurde 1874 vom Magistrat beschlossen das Lazarett als städtisches Krankenhaus mit zunächst erst einmal mit 15 Betten auszustatten. 1851 wurde es durch einen Anbau vergrößert. Die Errichtung weiterer Anbauten erfolgte 1913 sowie 1914 durch Beschlüsse der Stadtverordneten von Sangerhausen. 1924 war der Baubeginn für ein Mutterhaus an diesem Stadtort.
1939 konnte man bereits 11o Patienten versorgen.
Im 2. Weltkrieg wurden wieder Teile des Krankenhauses als Kriegslazarett genutzt. Nach 1945 erfolgten weitere Um- und Anbauten. In seiner Folge verfügte man über bis zu 42o Krankenbetten.
Durch den Verkauf des inzwischen dem Landkreis gehörenden Kreiskrankenhauses an die Helios Kliniken im Jahre 2oo9 und der Errichtung eines Krankenhausneubaus am Beinschuh verlor das alte Gebäude seine Bestimmung und wurde nach und nach leer gezogen.
Seit diesem Zeitpunkt, nur unterbrochen durch eine kurze Nutzung als Flüchtlingsunterkunft ab 2015, suchte das imposante Gebäude eine Neunutzung, die nun endlich Gestalt annimmt.

Holger Hüttel

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