Politik

9o. Jahrestag des Eisleber Blutsonntag gedacht

"Rache und immer wieder Rache! Keinem vernünftigen Menschen wird es einfallen, Tintenflecken mit Tinte, Ölflecken mit Öl wegwaschen zu wollen. Nur Blut, das soll immer wieder mit Blut ausgewaschen werden.“ - Bertha von Suttner

MSH / Lutherstadt Eisleben.
Etwas mehr als 3o Antifaschistinnen und Antifaschisten versammelten sich am heutigen Vormittag auf dem alten Eislebener Friedhof, an den Gräbern von Otto Helm, Walter Schneider und Hans Seidel.

Die Hauptredner, der vom Kreisverband der Linken organisierten Gedenkveranstaltung waren der stellv. Bürgermeister der Stadt Eisleben Herr Sven Kassik und die stellvertretende Landesvorsitzende der Linken Sachsen-Anhalt und ehemalige Landrätin in MSH Frau Dr. Angelika Klein. (Rede von Dr. Angelika Klein)



Zum geschichtlichen Hitergrund:

Der heutige 12. Februar ist ein denkwürdiger Tag. Heute vor genau 90 Jahren wurden die drei, Otto Helm, Walter Schneider und Hans Seidel, alles Mitglieder der KPD, während der Vorbereitungen zu einer Jugendweihe-Feier, welche am selben Nachmittag geplant gewesen war, von Mitgliedern der SA und SS, ermordet. Viele weitere wurden zum Teil schwer verletzt.
Wenige Tage zuvor hatten in Berlin Hitler und seine Helfer die Macht über Deutschland übernommen. Die Mitglieder der SA und SS in Eisleben wollten auch in Eisleben zeigen, wer jetzt das sagen hat und organisierten einen Propagandamarsch, man zählte bis zu 6oo von ihnen, durch die Lutherstadt. Der Zug der gewaltbereiten Nazis führte auch am Gebäude der KPD und der Turnhalle des Arbeitersportvereins in der Straße "Breiter Weg" entlang, wo die Erstürmung erfolgte.

Die schwer mit Pistolen, Spaten oder Beilpicken ausgerüsteten SA- und SS- Mitglieder griffen das sogenannte „Klassenkampfgebäude“ sowie die Turnhalle, welche durch einen gemeinsamen Hof verbunden waren von beiden Seiten gleichzeitig an, sodass eine Flucht der sich in den Gebäuden befindenden 15-20 Arbeitersportlern sowie der 3o Jugendlichen im Alter zwischen 13 und 14 Jahren nicht möglich waren.

Bei dem feigen und brutalen Angriff der Nationalsozialisten hatten die wenigen anwesenden Kommunisten und Jugendlichen keine Chance. Mit allem was die Nazis hatten, schlugen sie auf die Unterlegenen ein.

Das Ergebnis 3 Tote Mitglieder der KPD, viele viele Verletzte, unter anderem auch Bernard Koenen, welcher bei dieser Auseinandersetzung ein Auge verlor.

Auch die angreifenden Nazis hatten ein Opfer zu beklagen. Der SS-Mann Paul Berck wurde erschossen. Die Propaganda machten Berck, der der 26. SS Standarte in Eisleben angehörte, zum Helden. Nach ihm wurden mehrere Straßen benannt und das angegriffene “Klassenkampfgebäude“ wurde in "Paul-Berck-Haus" umbenannt.

Erst nach der Befreiung vom Nationalsozialismus wurde gegen die Angreifer sowie 2 Polizisten Anklage erhoben. Im August 1949 wurde ein Angeklagter zu lebenslanger Haft sowie 30 weitere zu Haft und Zuchthausstrafen zwischen einem und 12 Jahren verurteilt.

Die 3 Arbeitersportler, Walter Schneider, Hans Seidel und Otto Helm wurden zwei Monate nach Kriegsende in einem Ehrengrab auf den alten Friedhof umgebettet.

Im August 1949 wurden Schächte des Mansfeld-Kominates zu deren Ehren in Hans-Seidel-Schacht" (ehemals Hohenthalschacht), "Walter-Schneider-Schächte (ehemals Ernstschächte) umbenannt. Eine Sportstätte erhielt des Namen Otto-Helm-Kampfbahn und Bernhard Koenen wurden ebenfalls durch die Benennung eines Schachtes sowie mehrerer Straßen geehrt.



Abschließend wurden an den Gräbern Kränze und rote Nelken niedergelegt.

Holger Hüttel

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