# Kohleausstieg

Politik

Rosige Zeiten

Wenn Politik Realsatire wird.

Sangerhausen. Im September 2018 veröffentlichte die Linksfraktion im Bundestag eine Broschüre mit dem Titel „Wie der Kohleausstieg gelingt. Geplant, gerecht, sozial“. In der MZ konnten wir heute (Mittwoch, 10. April 2019) lesen, wie der Kohleausstieg nicht gelingt. Natürlich war man darüber geschockt, dass der Kohleausstieg nun doch kommen soll, wo man das Klimaziel, den Ausstoß von Treibhausgasen bis 2020 um 40% zu mindern, doch so schön hat im Sand verlaufen lassen.
Zum Glück hat man immer ein paar Projekte in der Schublade, zum Beispiel den Bau eines „Erlebniszentrums Rose“ im Rosarium in Sangerhausen. Natürlich ist das für das Rosarium gut und natürlich freut das die Touristen und das örtliche Gastgewerbe, wie die Experten im Wirtschaftsministerium herausgefunden haben. Ich weiß nicht, wie groß das Erlebniszentrum wird, aber ich gehe stark davon aus, dass man es schafft, das Rosarium nebst Erlebniszentrum auch weiterhin im Laufe eines Tages abzuarbeiten und ob man dann statt einem Stückchen Kuchen, zwei braucht, wage ich zu bezweifeln. Auch in Eisleben haben wir viele schöne neue Museen erhalten, die die Touristen trotzdem nicht länger in der Stadt zu halten vermögen.
Ja. Tourismus gehört zum Strukturwandel. Aber wo bitte ändert sich hier eine Struktur? Entsteht da wirklich etwas Neues, Innovatives und qualitativ Hochwertiges oder wird das eher eine bessere Verkaufsschau zum Thema Rose?
Die Einwohner von Sangerhausen werden frohlocken, da sich – auch eine Erkenntnis aus dem Wirtschaftsministerium – ihre Lebensqualität erhöht und nicht nur das! Das Erlebniszentrum Rose „erhöht die Bindekraft der Region für die Einwohner“ und ist damit auch ein „Haltefaktor für Fachkräfte“. Mit Fachkräften sind wohl die zu Kellnern und Museumspädagogen (oder Verkäufern von Rosensouvenirs?) umgeschulten ehemaligen Mitarbeiter von Romanta gemeint, die scharenweise in Sangerhausen Anstellung finden werden.

Wie zynisch ist das bitte? Oder meinen die das ernst? Für einen lebenswerten ländlichen Raum brauchen wir Ärzte und Nahverkehr, Schulen im Dorf und echte Arbeitsplätze. Die Menschen hier möchten gern ernst genommen werden. Was in Sangerhausen wirklich die Lebensqualität erhöhen würde, wäre ein vernünftiges Konzept für den Stadtpark. Und die Stadt wünscht sich auch kein weiteres Objekt, das ihren Haushalt belastet, denn die laufenden Kosten des Erlebniszentrums trägt dann sicher nicht mehr der Bund.


www.die-linke.de/fileadmin/user_upload/180822_Kohleausstieg.pdf


www.mz-web.de/landkreis-mansfeld-suedharz/kohleausstieg-welche-projekte-profitieren-vom-strukturwandel--32355670


Antje Mindl-Mohr

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