#Umwelt

Kurzmeldungen

Offener Brief an OB Strauß

Reaktion einer Bürgerin auf Aussagen des OB zur Kritik an den Baumfällungen in Sangerhausen

Sangerhausen.

Sehr geehrter Herr Strauß,


aufgebrachte Freunde schickten mir eben diesen Link:

https://www.mz-web.de/sangerhausen/sag-mir-wo-die-linden-sind-aerger-um-gefaellte-baeume-in-sangerhausen-32207462

Ich bin entsetzt und empört. Ihre Antwort ist eines Oberbürgermeisters unwürdig!

Wie können Sie in ihrem Grußwort auf Ihrer Website behaupten, überparteilich und im engen Kontakt mit den Bürgern agieren zu wollen und dann die Leute so vor den Kopf stoßen?

Ist Ihnen bekannt, dass Naturschutz und Fußball zwei grundverschiedene Dinge sind? Haben Sie schon mal darüber nachgedacht, dass die Menschheit ohne Fußball durchaus gut leben könnte, ohne Bäume aber nicht???

Ist Ihnen bekannt, dass Naturschützer aufopferungsvoll, zum Gemeinwohl und ehrenamtlich arbeiten? Und dass sie durchaus keine Spinner sind, die Bäume und Tiere vor die Sicherheit von Bürgern stellen?

Mit ihrem Auftritt stärken sie Leuten den Rücken, die fahrlässig gearbeitet haben bzw. eine Ordnungswidrigkeit begangen haben!

Sie, der so eine schöne Rede anlässlich der Pflanzung des 2500. Baumes durch die Baumfreunde Sangerhausen gehalten hat. Ich war anwesend und hatte geglaubt, hier sei endlich mal ein guter Kommunalpolitiker am Werk. Fehlanzeige!

Ich bin dem Journalisten sehr dankbar, dass er den Finger auf diesen wunden Punkt gelegt hat und die Frage so kompromisslos formuliert hat. Viele Menschen im Kreis werden diesen Artikel lesen und ebenfalls verständnislos, wenn nicht gar empört sein.

Ja, Ihre Antwort ist nicht nur Arbeitsverweigerung, sondern eine Beleidigung für alle Menschen, die im Ehrenamt versuchen, unter schwierigsten Bedingungen das „Tafelsilber“ unseres Landes zu retten: Die Natur, ohne die wir nicht leben können. Klimakatastrophe, Jahrhunderttrockenheit und Hitze 2018 – jeder halbwegs gebildete Mensch weiß, welche Funktion Bäume haben und dass wir sie brauchen, vor allem alte Bäume, die Wasser im Boden halten, CO2 binden, Insekten und Vögeln eine Heimstatt bieten. Nennen Sie es eine romantische Spinnerei – in Wirklichkeit handelt es sich um Ökosystemdienstleistungen, auf die wir dringend angewiesen sind!

Es wäre angebracht, sich öffentlich zu entschuldigen, zu erklären, dass die Stadt Sangerhausen alles tun wird, um solch ein besinnungsloses Wüten künftig zu verhindern, eine SOFORTIGE (Frühjahr 2019) Ersatzpflanzung anzuordnen – drei Bäume für jeden dahingemeuchelten großen Baum, und zwar heimische großkronige Laubgehölze; Verwendung gebietseigener Gehölze im räumlichem Zusammenhang mit den gefällten Bäumen; Pflanzqualität: Hochstamm, Stammumfang 12 – 14 cm. Die Stämme sind zu verankern und mit einem Verbiss-Schutz zu versehen, eine sachgemäße Fertigstellungs- sowie vierjährige Entwicklungspflege ist zu gewährleisten. - Soviel Zeit muss sein.

Ich weiß mich hier im Einklang mit der Baumschutzverordnung des Kreises Mansfeld-Südharz und kann gern für Sie Kontakte zu den entsprechenden Kollegen herstellen. Aber ich nehme an, die haben sie selbst.

Ein Arbeitskreis für Bäume wäre in der Tat eine gute Sache. Möchten SIE den nicht ins Leben rufen? Das wäre doch eine wirksame Entschuldigung ....

Mit wütenden, doch hoffnungsvollen Grüßen,


Dagmar Schreiber, Edersleben

Mitglied von BUND und NABU

Mitarbeiterin des Landesarbeitskreises Alleen des BUND LSA

P.S. Ich bin vor knapp drei Jahren von Berlin an den Wohnort meiner Großeltern gezogen. Ich war angetan von Sangerhausen, die sorgsam
sanierte Stadt schien mir märchenhaft im Vergleich mit der Zeit meiner Kindheit. Inzwischen blicke ich ein bisschen mehr durch und muss leider
konstatieren, dass in Stadt und Kreis sagenhafte Sünden und Unterlassungen im Naturschutz passieren. Im Vergleich zu anderen Kreisen
in Deutschland sind wir einfach Schlusslicht! Blamabel. Und echt ärgerlich für unsere Kinder – finden Sie nicht auch?



Dagmar Schreiber

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